Spermiogramm Auswertung - Was wird untersucht?

Im Labor angekommen werden verschiedene Eigenschaften des Spermas einzeln betrachtet und anhand von Richtlinien zur Beurteilung befruchtungsfähiger Spermien bewertet. Die Richtlinien und Normwerte für ein Spermiogramm, nach denen auch in hier bei uns in Deutschland alle Samenproben beurteilt werden, wurden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erarbeitet. Die Normwerte für die Auswertung der Samenprobe sind als gesunde Werte eines fruchtbaren Mannes zu verstehen. Bei der Auswertung im Labor wird die Samenflüssigkeit zuerst makroskopisch und anschließend mikroskopisch untersucht.

Was passiert bei der makroskopischen Untersuchung?

Bei der makroskopischen Untersuchung werden Volumen, Geruch, Farbe und die Verflüssigungszeit (Viskosität) des Ejakulats beurteilt. Charakteristisch für Sperma ist ein kastanienblütenartiger Geruch und eine weißliche trübe Farbe. Mediziner sprechen hier von grau-opaler Färbung.

Mikroskopische Untersuchung für ein Spermiogramm
Zur Auswertung erfolgt eine mikroskopische
Untersuchung der Samenprobe im Labor.

Das Volumen des Ejakulats muss mindestens 1,5 ml betragen und es sollte sich in einem Zeitraum von 15 - 30 Minuten verflüssigen. Außerdem wird bei der makroskopischen Untersuchung der pH-Wert wird mit einem Indikatorpapier bestimmt. Dieser Wert sollte zwischen 7,2 und 8 liegen.

Was passiert bei der mikroskopischen Untersuchung?

Der nächste Schritt bei der Auswertung der Samenprobe ist eine mikroskopische Untersuchung des Ejakulats. Dabei wird unter anderem die Konzentration, Gesamtzahl, Lebendigkeit (Vitalität) und Beweglichkeit (Motilität) der Spermien begutachtet. Weitere Untersuchungen unter dem Mikroskop überprüfen ob die Spermien normal geformt sind, ob Missbildungen vorliegen (Morphologie), wie hoch die Anzahl von Bakterien und weißen Blutkörperchen (Leukozyten) ist und wie viele Mikromol (µmol) Fruchtzucker (Fruktose) und Zink das Sperma enthält.

Spermiogramm Auswertung - Wie sind die Normwerte?

Spermiogramm Normwerte des Ejakulats (laut WHO)
Makroskopische Untersuchung
Geruch kastanienblütenartig
Farbe homogene grau-opale Färbung
Volumen mindestens 1,5 ml
Viskosität Verflüssigungszeit von 15 - 30 Minuten
pH-Wert zwischen 7,2 und 8,0
Mikroskopische Untersuchung
Spermienkonzentration etwa 20 Mio. Spermien pro ml Ejakulat
Spermiengesamtzahl min. 39 Mio. Spermien im gesamten Ejakulat
Vitalität min. 58% vitale (lebende) Spermien
Beweglichkeit (Motilität) min. 40% bewegliche Spermien oder mehr als 32% mit guter Vorwärtsbeweglichkeit
Morphologie mindestens 4% normal geformte Spermien im Ejakulat
Leukozyten weniger als 1 Mio. weiße Blutkörperchen pro ml Ejakulat
MAR-Test weniger als 50% Spermien mit anhaftenden Partikeln
Fruktose etwa 13 µmol im gesamten Ejakulat
Zink etwa 2,4 µmol im gesamten Ejakulat

Normwerte laut WHO Laborhandbuch (PDF) zur Untersuchung und Aufarbeitung des menschlichen Ejakulats

Was bedeutet das Ergebnis des Spermiogramms?

Liegen die Ergebnisse des Spermiogramms innerhalb der WHO-Normwerte, gilt ein Mann zum Zeitpunkt der Untersuchung als zeugungsfähig. Entsprechen einzelne Werte nicht der Norm, bedeutet das jedoch nicht, dass der Mann zeugungsunfähig ist. Ein auffälliger Befund mit schlechten Werten zeigt erst einmal nur, dass die Fortpflanzungsfähigkeit vermindert ist, weil die Spermien nicht die optimale Qualität haben. Ob es sich dabei um einen vorübergehenden Zustand oder einen Dauerzustand handelt, kann nur Ihr Arzt beurteilen.

Ursachen für ein schlechtes Spermiogramm

Ein schlechtes Ergebnis beim Spermiogramm kann ganz unterschiedliche Ursachen haben, von denen sich einige leicht beheben lassen. Krampfadern an den Hoden (sogenannte Varikozele), hormonelle Störungen und entzündliche Infektionen der Samenwege können meist mit Medikamenten behandelt werden. Die Behandlung richtet sich nach den jeweiligen Ursachen für die geringe Samenqualität.

Es ist übrigens auch bei gesunden und fruchtbaren Männern ganz normal, dass die Spermienqualität stark schwanken kann. Einflussfaktoren dafür sind unter anderem Alkoholkonsum, Nikotin und Stress. Ein schlechtes Spermiogramm bzw. ein Spermiogramm mit Auffälligkeiten wird daher normalerweise mit einer zweiten und dritten Untersuchung bestätigt. In manchen Fällen bleibt die Ursache für ein schlechtes Ergebnis beim Spermiogramm aber auch nach mehreren Untersuchungen unbekannt.

Spermiogramm Diagnose - Was bedeuten die Fachbegriffe?

Um die Samenqualität des Mannes zu beurteilen, hat die WHO eine Nomenklatur festgelegt, die für medizinische Laien natürlich unverständlich ist. Hier finden Sie eine Übersicht über geläufige Fachbegriffe die sich in einem Spermiogramm finden und können nachlesen, für welche Abweichungen diese Begriffe stehen.

Medizinische Fachbegriffe zur Beurteilung des Spermiogramms
Normozoospermie Ejakulat entspricht den WHO-Referenzwerten
Azoospermie keine Samenzellen im Ejakulat nachweisbar
Asthenozoospermie verminderte Beweglichkeit (Motilität) der Spermien
Oligospermie verminderte Anzahl von Spermien im Ejakulat
Teratospermie erhöhtes Auftreten nicht regulär geformter Spermien
Nekrozoospermie keine Beweglichkeit der Spermien
Kryptozoospermie weniger als 1 Millionen Spermien pro ml Ejakulat
Hypospermie weniger als 2 ml Ejakulatvolumen
Hyperzoospermie mehr als 150 Mio. Spermien pro ml Ejakulat
Hämatospermie Erythrozyten oder Blut im Ejakulat
Pyospermie Nachweis von Eiter (Pus) im Ejakulat

Ob und wie Sie im Falle einer solchen Beurteilung das nächste Spermiogramm verbessern können, kann Ihnen nur ihr behandelnder Arzt mitteilen. Er entscheidet ob sich in Ihrem speziellen Fall einzelne Paramater medikamentös, operativ oder ganz einfach durch eine Umstellung der Lebensumstände (Ernährung, Sport, Stress) verbessern lassen.